Archiv für März 2009
Konterbier
Na also, das wurde ja auch langsam Zeit. Die CSU plädiert, wie erwartet, für ein „Killerspiel-Verbot“
Nun aber die Frage, was zur Hölle ist ein „Killerspiel“? Zählen dazu jegliche Spiele die mit dem Töten seiner Gegner zu tun haben? Also auch Super-Mario??? Dann bekenne ich mich schuldig und werde mich sofort einweisen lassen, denn das habe ich schon mit 10 Jahren bis zum Erbrechen gespielt. Dennoch habe ich bis heute niemals versucht, auf meine Mitschmenschen draufzuspringen oder sie mit ausgerissenen Rüben zu erschlagen. Aber, so scheint es, die Saat des Bösen, sie ist auch in mir gesät.
Und nicht nur das. Super-Mario, der ist ja noch harmlos. Hat man uns nicht damals schon gewarnt? Bud Spencer? A-Team? Alles gewaltverherrlichend! Teufelszeug! Nichts für Kinder!
Aber hat es uns geschadet? Bislang jedenfalls nicht. Doch wer weiß was all diese schrecklich brutalen Dinge in unserem Unterbewusstsein angerichtet haben. Und irgendwann platzt die Bombe. Dann flippen wir alle aus und wenn Papi nicht zufällig mal wieder den Waffenschrank offen stehen lässt, müssen wir uns eben anders behelfen. Das kann dann ganz schön hässlich werden.
Hat man bei den Verantwortlichen der Lehman-Brothers eigentlich auch Wirtschafts-Simulations- und Managerspiele auf dem Rechner gefunden? Doch, bestimmt.
Es ist eben so: An solchen Amokläufen oder sonstigem Fehlverhalten sind niemals die Eltern schuld oder die Mitschüler oder Lehrer. Nein, nein, einzig und allein böse Computerspiele, böse Musik und böse Filme. Böse, böse, böse.
Also liebe CSU, schütze unsere Kinder, verbiete all diesen stumpfsinnigen Dreck. Anständige Kinder spielen mit Murmeln und Holzeisenbahnen, hören Musik von Rolf Zuckowski und schauen abends das Sandmännchen… ach nee, das kommt ja aus dem Osten… also das Sandmännchen gehört auch verboten! Verdammte sozialistische Propaganda-Maschinerie! Also überhaupt kein Fernsehen! Und keinen Computer! Denn Computerspiele und Internet, dass wissen wir mittlerweile, sind Werkzeuge des Leibhaftigen, um uns zu verderben!
I believe
Und gleich nochmal ein Riesenlob an Papa Ratzi und seine tollkühne Crew. Da haben die dem Herrn Williamson doch mal ordentlich eingeheizt, dass er jetzt tasächlich „mal ein Buch lesen will“, um sich über den Holocaust zu informieren. Nach Auschwitz möchte er aber nicht reisen. Was soll er auch da, der Laden hat ja seit 64 Jahren geschlossen. Aber vielleicht wäre ein Besuch doch ganz nützlich, eventuell lässt sich die Anlage ja zu Zwecken eines Massenexorzismus wiederverwenden. Da es dort ja eh keine Gaskammern gab und auch keinen Holocaust, wäre das moralisch ja nicht weiter verwerflich.

