Kiezdeutsch – Dialekt oder Zumutung?

“Kietzdeutsch” nennt sich das also, wenn Jugendliche reden, als hätten sie eine Socke im Mund. Ein eigenständiger Dialekt soll das sein?
Nun, Dialekte sind meist alteingesessene Abwandlungen einer Sprache, die regional begrenzt gesprochen werden. „Kiezdeutsch“ ignoriert die jeweiligen regionalen Dialekte jedoch und bedient sich stattdessen des gebrochenen Deutsch, welches anfangs bevorzugt von Migranten gesprochen wurde, weil die es einfach noch nicht besser konnten. Doch mittlerweile ist es “in”, sich diesem Slang, der, bevor er von zwangstoleranten Sprachwissenschaftlern „Kietzdeutsch“ getauft wurde, von den jeweiligen Nutzern selbst als “Kanak-Sprache” bezeichnet wurde, zu bedienen. Da es dabei bestimmte Regeln zu geben scheint, wie man die deutsche Sprache am besten zu einem genuschelten Brei aus undeklinierten Wörtern verramscht, mussten eben jene bereits erwähnten Sprachwissenschaftler dem ganzen nun zum Ruf einer legalen, eigenständigen Sprache verhelfen.
“Isch geh Kino” lauten da die Sätze, meist ergänzt durch “Alta”, ein Wort, dass mittlerweile seinen Genus verloren zu haben scheint denn, so ekelerregend es auch mit anzuschauen ist, reden sich mittlerweile schon Mädchen gegenseitig mit “Alta” an. Dialoge, die man in der Bahn aufschnappt lauten wie folgt: “Gehse noch Training?” “Ja klar! Bald Kampf!” Das, verehrte Sprachwissenschaftler, ist kein Dialekt, sondern Ausdruck von mangelnder Schulbildung und purer pubertärer Maulfaulheit. Auch wenn Ihr in dieser verstümmelten Sprache eine intelligente, weil kürzere und einfachere Abwandlung von der furchtbar komplizierten deutschen Sprache vermutet, so ist dieses Kauderwelsch nicht dadurch entstanden, dass jemand die Kommunikationswege möglichst intelligent verkürzen wollte, sondern dadurch, dass bestimmte Menschen so viel wie möglich weglassen, vor allem dann, wenn sie nicht wissen, ob es “der”, “die” oder “das” heißt, oder in welcher Reihenfolge man Subjekt, Prädikat und Objekt setzen muss, um sich verständlich auszudrücken. Ich kann an “Alta, der Mischa, voll der Hurensohn, isch hasse den über” jedenfalls keine Optimierung der Sprache erkennen. Es widert mich eher an, dass hier eine Sprache legitimiert werden soll, in der, genau wie im dazugehörigen Milieu, Homosexuelle, Juden und Behinderte dafür herhalten müssen, andere zu beleidigen. “Schwul” ist in diesem “Dialekt” ein Synonym für “Scheiße”. Die Homophobie, die auch im deutschen Proll-Hip-Hop stark vertreten ist und von männlichen Jugendlichen aus entsprechendem Umfeld ausgelebt wird, ist hier direkt in die Sprache integriert. “Behinderter” ist ebenfalls ein gerne genutztes Schimpfwort, es zeigt, dass körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen hier als minderwertig wahrgenommen werden. “Alta, bisse behindat”, schallt es oft durch den Bus. Behindert bedeutet also: Doof! Wenn Jugendliche, vornehmlich mit islamischem Hintergrund, sich gegenseitig als “Jude” beschimpfen, dann ist das gerade in diesem Land doch eher erschreckend. “Hure” und “Hurensohn” gehören sowieso irgendwie in jeden Satz, auch wenn dabei manchmal rhetorische Volltreffer wie “Alta, Deine Mutter is voll der Hurensohn” herauskommen.
Ich bin nicht für irgendwelche nationalistisch angehauchten Sprachbereinigungsversuche. Aber muss man eine offensichtliche Fehlentwicklung, wenn man ihr schon nicht entgegenarbeitet, auch noch zu einer eigenen Wissenschaft erheben? Bedeutet Toleranz, alles Schlechte einfach hinzunehmen und ins Schöne zu verklären? Ich denke nicht.  Alta, isch schwör auf alles!

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