Blackfacing

Der Tag der heiligen drei Könige ist nun schon eine Woche her, doch er hat mir den letzten Anstoß gegeben, über eine Debatte nachzudenken, die schon seit langem durch die Lande geistert.
Kaspar, Melchior und Balthasar treten neuerdings nämlich nicht mehr in Gestalt dreier arabischer und ausgesprochen männlicher Monarchen auf, von denen einer schwarz ist. Nein dieser Tage zeigen sich die drei Weisen aus dem Morgenlande in Gestalt blond gelockter Mädchen.
Und einen (oder eine) Farbige(n) sucht man dabei vergebens. Dass scheinbar immer weniger Jungs Interesse daran haben, sich in gülden glitzernden Fummeln und pseudo-arabischen Applikationen, Kirchenlieder schmetternd von Haus zu Haus zu bewegen, ist eine Sache. Dass aber, von dem Holländischen Begleiter des Nikolaus, über eine Saalwette bei „Wetten Dass???“, bei der sich Leute als Jim Knopf verkleiden sollten, bis hin zu dem als Jim Knopfs Vorfahre bekannten Kaspar, nun im Namen des Antifaschismus sämtliche Schwarzen aus dem Alltagsleben verbannt werden sollen, nur weil halt gerade keine echten Schwarzen zur Hand sind, das will mir nicht in den Kopf.

Es sei rassistisch, wenn ein Weißer sich das Gesicht schwarz anmalt, um einen Farbigen  darzustellen. Als ich das zum ersten mal hörte, glaubte ich an einen schlechten Witz. Wo ist da bitte der Rassismus? Liegt die Motivation der Verkleidung nicht eher in der Bewunderung und Wertschätzung der betreffenden Person, als in deren Verunglimpfung?
Ich male mich schwarz an, um meine Begeisterung und Sympathie zu einer schwarzen Romanfigur wie Jim Knopf zu zeigen und das macht mich zum Rassisten? Ich male mich schwarz an, da ich eine bedeutsame historische Figur darstellen soll, die nun einmal schwarz war, und das macht mich zum Rassisten?

WO bitteschön finden die Gutmenschen, die für diesen bescheueten Hype das Schlagwort „blackfacing“ (Bezeichnung für eine tatsächlich rassistisch motivierte Form des Theaters aus dem letzten Jahrhundert) übernommen haben, bei diesem Vorgang die jedem Rassismus zugrundeliegende Abwertung der einen Hautfarbe gegenüber der anderen? Ist die Identifikation mit schwarzen Figuren nicht eher das Gegenteil von Rassismus? Würde sich je ein Neonazi freiwilig als Jim Knopf verkleiden? Nein, er würde eher das Buch verbrennen, in dem ein „Negerjunge“ die Hauptrolle spielt.

Was also soll dieser Schwachsinn und wo führt das noch hin? Ist der Aufschrei eben so groß, wenn ein Schwarzer sich weiß anmalt, um sich als Lukas der Lokomotivführer zu verkleiden? Ist es ebenfalls rassistisch, wenn ich mich grün anmale um einen Außerirdischen darzustellen? Nun eines steht für diese radikale Form der political correctness wohl fest: Es darf sich in Deutschland nie wieder ein weißes Kind als Jim Knopf verkleiden und es darf keinen schwarzen Kaspar mehr geben.

Diese Idee, die Schwarzen so rigeros aus Kunst und Brauchtum zu verbannen, um sie damit vor Ausgrenzung in Schutz zu nehmen, ist dermaßen paradox, dass dem Führer die Freudentränen in die Augen treten würden, bei so viel freiwilliger Selbstzensur durch angeblich politisch korrekte Menschen, die – den Nazis nicht unähnlich – stets allen anderen sagen wollen, was sie tun oder lassen sollen. Blinder Aktionismus und typisch deutsche Empörungskultur vermischem sich hier zu einem selten dagewesenen Irrsinn.

Demnächst werden Kinder nicht mehr wissen, dass einer der heiligen drei Könige schwarz war und sie werden vielleicht auch Jim Knopf nicht mehr kennen. Die Augsburger Puppenkiste wurde ja schon aus dem TV-Programm verbannt. Kein Wunder: die haben doch tatsächlich eine Marionette aus hellem Holz schwarz angemalt. Diese elenden Rassisten!

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