Georg Schramm (Rheinisches Landestheater Neuss, 27.02.13)

Es gibt es noch, das klassische, tiefgehende und bitterböse politische Kabarett, das mit politischen Inhalten spielt, kritisiert, entlarvt und somit auch aufklärt. Einer der größten Vertreter dieser Form des Kabaretts ist zweifelsohne Georg Schramm. Am Mittwoch war er mit seinem aktuellen Programm “Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz” im  RLT beim Kabarett 20:30 zu Gast. Dabei ließ Schramm es zunächst recht harmlos angehen und kalauerte das Publikum in der Rolle eines SPD-nahen Kleingärtners in Stimmung, der mitten in der Nacht heimlich die Urne seiner Frau ausgräbt, um sie an ihrem Lieblingsplatz in der Schrebergartenanlage zur letzten Ruhe zu betten. Nach diversen weiteren noch recht harmlosen Anekdoten in tiefstem Hessisch eröffnete er dann in allerschönstem Amtsdeutsch in einer weiteren Rolle die Vereinsitzung der Selbsthilfegruppe “Altern heißt nicht trauern”, um dem Publikum oberlehrerhaft zu erläutern, was es mit dem von Frank Schirrmacher irrtümlich angekündigten “Krieg der Generationen” auf sich hat, der ja eigentlich ein Krieg “Arm gegen Reich” sei. Hier nun begann der wirklich politische Teil des Kabaretts, und in seiner Rolle des alles erklärenden Vorsitzenden ließ Schramm keine Gelegenheit aus, dem Publikum mangelnde Bildung, Desinteresse oder beides zu unterstellen. So erläuterte er die zwei wichtigsten Methoden von Politikern, die dazu dienen, das Volk dumm zu halten: Lügen durch Weglassen entscheidender Informationen oder Formulierungen die dazu führen, dass keiner mehr Lust hat zuzuhören. “Letzteres funktioniert bei Ihnen sehr gut” attestierte Schramm dem Neusser Publikum. “Wenn sie also einen solchen Satz verstehen, dann hat er seinen Zweck verfehlt.” Kompliziert formulieren, das kann auch Schramms Figur Oberstleutnant Sanftleben sehr gut. Dieser verlor sich bei den Erläuterungen zu Sinn und Unsinn der Auslandseinsätze der Bundeswehr in technokratischen Begriffen wie “sinnvoller Fremdblutfluss” und stellte somit schonungslos den emotionslosen, berechnenden Umgang von Politik und Militär mit dem Leben anderer Völker bloß. Ein weiteres Lieblingsziel waren im Verlauf des Abends immer wieder auch der Finanzsektor im Allgemeinen und die Spekulanten im Besonderen. Deren Macht demonstrierte er am Beispiel Berlusconi: “Es gab 35 erfolglose Versuche des Parlamentes, ihn aus dem Amt zu heben. Drei Rating-Agenturen haben das in nur fünf Tagen geschafft.” Für den künftigen Umgang mit letzteren empfahl Schramm ein Zitat von Papst Gregor dem Großen: „Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht“. Weiter zitierte er einen Beschluss der Holländischen Regierung aus dem Mittelalter. Auch damals wollten Spekulanten, dass die Steuerzahler für ihre Verluste aufkommen. Damals hieß es jedoch: “Für Spielsucht ist ein Arzt verantwortlich, nicht aber der Staat.” Nicht nur hier wirkte Schramms Kabarett nicht mehr wie bloße Unterhaltung, sondern wie eine schonungslose, lautstark und wortgewandt vorgetragene Gesellschaftskritik, der es trotz aller humoristischen Pointierungen nicht am nötigen Ernst mangelte.

Von Märchenmöpsen und Teekesseln

Möpse. Ich mag keine Möpse. Jedenfalls nicht die in Form von Hunden. Ich hasse diese fiesen, plattgeknautschten Nasen, die aussehen, als wäre ein Dackel mit 50 Sachen gegen eine Betonmauer gewemmst. Und diese hässlichen, viel zu weit auseinander stehenden Glupschaugen. Nein, dem Mops an sich kann ich nichts abgewinnen. Daher schreibe ich normalerweise auch nicht über Möpse. Jedenfalls nicht über die in Form von Hunden. Nur heute, wo mir einer über den Weg gerannt ist, habe ich überlegt, wie es wäre, wenn ich einen Text schreibe an dessen Anfang ein hässlicher, doofer Dickmops von einem ebenso hässlichen, heranbrausenden Mittelklassewagen zur Stecke gebracht wird.

Aber da ich viele komische Frauen kenne, die auf Möpse stehen, also auf die in Form von Hunden, lasse ich das lieber bleiben. Die würde ich ja damit alle vergraulen. Also ziehe ich sie lieber auf meine Seite, in dem ich in diesem Text einen Mops vorkommen lasse, der fröhlich seiner Wege geht. Im Schlepptau sein Herrchen, ein etwa fünfzig Jahre alter Mann, der nicht nur in Sachen Hunde, sondern auch bekleidungstechnisch einen sehr schlechten Geschmack zu haben schien. Über Geschmack lässt sich ja angeblich nicht streiten, aber in so einem Fall lasse ich wirklich nicht mit mir reden. Ein Polohemd in einer undefinierbaren Farbe irgendwo zwischen Gelb, Beige und Hornhautumbra, dazu eine kackbraune Kordhose, himmelblaue Socken und die unverzichtbaren braunen Ledersandalen, die anscheinend alle Rentner ab einem gewissen Alter vom Staat zur Verfügung gestellt bekommen. An der Leine führte er den schon beiläufig erwähnten Mops durch den Park. Anscheinend stand der Mann auf schäbige Klamotten und auf Möpse. Jedenfalls die in Form von Hunden. Alte Männer und Möpse, das passt ja eigentlich immer. Die einen führen sie spazieren, die anderen starren sie einfach nur an und versuchen dabei die Erektion, die sie in diesem Alter ansonsten eher seltener zustande bringen, zu verbergen. Zu diesem Zweck tragen sie diese ausgebeulten Kordhosen. Im vorangegangenen Satz ging es übrigens um zwei verschiedene Gattungen von Möpsen, wie dem aufmerksamen Leser sicherlich schon aufgefallen ist. Der Hose nach zu Urteilen gehörte also auch der alte Mann in dem Park zu den Zeitgenossen, die an Möpsen interessiert sind. Also nicht nur an denen in Form von Hunden. Wobei das natürlich auch ein sprachtechnisches Problem ist. Warum muss das Wort Mops zugleich für etwas sehr hässliches als auch für etwas sehr schönes benutzt werden? Somit zählt der Begriff Mops zu den Teekesselchen, das sind Wörter die zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen haben können. So wie das Wort Bank. Obwohl, da gibt es ja mehr als zwei. Fußbank, Kirchenbank, Parkbank, Blutbank und Samenbank. Das war jetzt eher ein blödes Beispiel. Nehmen wir ein anderes: Pfanne. In der einen Pfanne macht man sein Essen, in der anderen sein Geschäft. Obwohl das ja irgendwie auch zusammenhängt. Eklig. Weitere Teekesselchen wären: Nageln, blasen, kloppen oder dremeln. Gehört das Wort Teekesselchen eigentlich selbst auch zu den Teekesselchen? Was hat überhaupt ein Zubereitungsbehälter für ein Heißgetränk mit der Doppeldeutigkeit von Wörtern zu tun? Und warum ist diese Doppeldeutigkeit nicht gleichzusetzen mit Zweideutigkeit, die ja wiederum meistens auf Begriffe wie nageln, blasen, kloppen oder dremeln abzielt?

Was auch immer, nach dem ganzen Gerede hab ich Lust auf Tee und auf Möpse, allerdings nicht die in Form von Hunden. Letzteres kann ich für heute wohl abhaken (nicht zu verwechseln mit „abhacken“!!!) aber den Tee den gönne ich mir noch. War ja auch eine lange Fahrt mit dem Rad heute. Und da haben wir das nächste Teekesselchen: Rad. Drahtesel oder Autozubehör. Toll oder? Da sieht man doch mal, welche Prioritäten die Erfinder der deutschen Sprache gesetzt haben. Für eine bahnbrechende Erfindung wie das Rad gibt es nicht mal einen einzigen eigenständigen Begriff. Aber für Dinge wie Saufen, Pinkeln, Kacken oder Geschlechtsverkehr gibt es über hundert verschiedene Bezeichnungen. Traurig eigentlich. Aber nicht so traurig wie die Tatsache, dass die hässlichsten Hunde nach den schönsten Körperteilen benannt werden. Dagegen sollte man vorgehen. Kann man die Viecher nicht umbenennen? Klops wäre viel passender. Oder Klumpen. Ja, das wäre es. „Schau mal Mami, der süße Klumpenhund!“ Oder eine Mischform aus beidem. „Klumps“. Das würde es treffen. Wenn ich so einer wider jede Natur gezüchteten Kreatur in ihr verbeultes Antlitz schaue, dann fällt mir doch genau so ein Wort ein, wie Klumps.

Dabei stellt sich ja eigentlich auch die Frage, wie es überhaupt zu einem Mops kommen konnte. War das ein Zuchtunfall? Oder hat etwas jemand tatsächlich absichtlich auf dieses Ergebnis hin gearbeitet? Hätte Gott uns Menschen auch die Herrschaft über die Erde und die darauf kreuchenden Kreaturen abgetreten, wenn er gewusst hätte, dass wir ein so stolzes, ebenso kraft- wie würdevolles Geschöpf wie den Wolf zu etwas derartigem erniedrigen würden, wie einen verklumpten Mops oder einen warmen Pudel? Wenigstens in den klassischen Märchen hat man sich von derlei abscheulichen Modetrends abgewandt und den Wolf in seiner ursprünglichen Gestalt belassen. Man stelle sich mal vor, es wäre anders gekommen und das Rotkäppchen trifft auf den großen bösen Mops. Womit hätte der ihr denn drohen sollen? Ihr Bein zu rammeln? Danach verschlägt es ihn dann in Großmutters Bett und das Rotkäppchen fragt: „Großmutter, was hast Du so viele Falten?“ Nein so funktioniert das nicht. Genauso wenig wie „Der Mops und die sieben Geißlein“ Was könnte denn ein Mops mit einem Geißlein anstellen? Er könnte versuchen, es anstelle eines menschlichen Beines zu rammeln, aber mehr fällt mir dazu beim besten willen nicht ein. Man sieht also, der Mops ist in der Rolle des Märchenmops völlig überfordert.

Und wie dämlich sähe erst ein Mops im Schafspelz aus?

Fazit: der Mops an sich, also in Form eines Hundes, ist zu nichts so wirklich zu gebrauchen. Außer als Spielkamerad für ältere Herren oder kleine Pipimädchen taugt er nicht viel, höchstens vielleicht noch als Türstopper oder Nackenrolle. Aber auch da gibt es schönere Modelle.

Nun muss ich doch zugeben, dass ich mit diesem Text ganz schön auf den Mops gekommen bin. Wobei „kommen“ eigentlich ja auch ein Teekesselchen ist, was jetzt aber ganz und gar nicht heißen soll, dass ich den Möpsen in irgend einer Form einen sexuellen Reiz abgewinnen könnte. Jedenfalls nicht denen in Form von Hunden. Schon komisch, ich hätte nie gedacht, dass ich mal ganze zwei Seiten über diese doofen Viecher voll schreiben würde. Haben die das überhaupt verdient? Vielleicht schon. Hat denn ein Wesen, dass Zeit seines Lebens mit solcher Hässlichkeit gestraft ist nicht auch ein wenig Aufmerksamkeit verdient?

Wenden wir uns also wieder dem Anfangsmops zu, der da friedlich mit seinem schlecht gekleideten Herrchen durch den Park trottete. Ich möchte diesem Mops danken, für die unterhaltsamen Gedanken, die mir nach unserer Begegnung die Weiterfahrt ein wenig kurzweiliger erscheinen ließen. Vielleicht ist ja genau das die Bestimmung von solch unansehnlichen Kreaturen, wie dem Mops. Sie bringen uns zum Nachdenken. Und es gelingt ihnen, in uns selbst das Schöne zu erkennen. Denn selbst der hässlichste Mensch fühlt sich nach einer Begegnung mit ihnen wohl und ist dankbar dafür, dass er nicht als Mops geboren wurde. So lasset uns danken dem Mops, der die Bürde der Hässlichkeit für uns erträgt, damit wir in Demut und Dankbarkeit unser eigenes Antlitz auf ewig zu schätzen wissen.