Pumpen (Teil 1)

So ein Fitnessstudio ist schon ein Hort nie versiegender Absurditäten. Allein, welche lupenreinen Archetypen man dort vorfindet. Jeder streng nach Klischee bekleidet und ausstaffiert, sorgsam darauf bedacht, jedes Vorurteil zu bestätigen.

Da wäre zunächst der klassische Pumper, zumeist gekleidet in „Uncle Sam“-Shirts, die breiter als lang und somit bei fast jeder Übung bauchfrei sind. Beliebt auch: knallenge Strampelanzüge aus Radlerhosenstoff. Darunter besagtes Shirt, darüber der klassische, handbreite, braune Pumper-Ledergürtel. Macht wohl ne schmale Taille, ansonsten erschließt sich mir der Sinn nicht, sich bei sportlichen Übungen die Luftzufuhr in Richtung Zwerchfell komplett abzuschnüren. Mangels Magnesiumpulver werden dazu Fahrradhandschuhe getragen, um die zarten Hände nicht an den rauhen Hantelgriffen zu zermürben.

Der Pumper besticht durch ziemlich dicke Arme, mit zumeist sehr undefinierter Muskelmasse. Sie ähneln eher denen einer fetten Pommesbuden-Bedienung im ärmellosen Kittel. Um den Körper in eine solche Form zu bringen, ist folgende Vorgehensweise an den Gerätschaften einzuhalten:

Der Pumper nimmt ALLE Gewichte die das Gerät hergibt, und schleppt dann noch zentnerschwere Hantelscheiben herbei, um diese an jeder sich bietenden Stelle an den übrigen Gewichten zu befestigen. Dann nimmt er Platz, blickt grimmig in die Runde um sich der Aufmerksamkeit umstehender, normal trainierender Menschen zu versichern und reißt die Gewichte 1-3 mal nach oben. Dabei verfärbt sich der Kopf dunkelrot bis lila und sieht aus als würde er jeden Moment explodieren. Bei jedem Hochreißen der Gewichte schreit er, als würde ihm gerade ein LKW über den Fuß fahren. Dann: In dem Moment, kurz bevor die Hauptschlagadern zum Gehirn platzen, lässt er die Gewichte einfach fallen, so dass sie krachend auf der Auflage einschlagen und die Hantelscheiben in alle Richtungen wegkullern.

Stolz, aber natürlich immer noch sehr grimmig, blickt der Pumper erneut in die Runde, steht auf und demonstriert, dass es spätestens jetzt absolut unmöglich ist, die Arme an den Oberkörper anzulegen. Er hakt die Daumen in den viel zu breiten Ledergürtel und stellt sich vor den nächsten Spiegel, um dort sehr sehr unaufällig die eben trainierte Muskelpartie mehrfach anzuspannen.

Dann sammelt er die umherliegenden Hantelscheiben ein und geht damit zur nächsten Übung. Auch hier wieder: Hochreißen, Schreien, Fallenlassen. Hochreißen, Schreien, Fallenlassen…

Der Pumper hält dies stundenlang aus, ohne dabei Flüssigkeit zu sich zu nehmem oder gar auf die Toilette zu müssen. Mit diesem engen Ledergürtel wäre es allerdings eh kaum möglich, irgendwelche Stoffwechselendprodukte durch den Unterleib zu pressen.
So bleibt nach dem Training und erfolgreicher Entfernung des Gürtels lediglich der sofort zuzubereitende Eiweißdrink, der den Aufbau von großen Massen weiterer Schwabbelmuskeln unterstützen soll.

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