Bekenntnisse eines WhatsApp-Geschädigten

Kinder, wie konnte das auf meine alten Tage noch passieren? Während ich noch auf antiquierte soziale Netzwerke wie Facebook baute und meine Freunde mit altertümlichen Textnachrichten per SMS über mein aktuelles Befinden informierte, da lag schon allerorts dieses seltsame Wort in der Luft: „Whatsääääpp“.  Ja, what war denn äpp, außer dass jede Woche neue  Berichte über die datenschutztechnischen Unzulänglichkeiten dieser meiner Meinung nach völlig sinnfreien Applikation erschienen?

Erfolgreich widerstand ich – wieder einmal – einem Trend. Am Ende jedoch gab ich – wieder einmal – nach. Und ich installierte dieses hochgelobte Kommunikationsmittel auf meinem Smartphone. Natürlich – wieder einmal – auf Wunsch des weiblichen Teils meines Freundeskreises.

Wer auch sonst sollte mich dazu bringen, DAS Spam-Instrument schlechthin auf meinem bis dahin sorgsam und diszipliniert genutzten Handy zu platzieren? Und schon brach sie über mich hinein, eine Flut aus Fotos, Videos, schlechten Witzen, Klosprüchen, Lebensweisheiten und absoluter Belanglosigkeiten, ja eine Welle gequirlter Scheiße nie gekannten Ausmaßes, besonders wertvoll in unendlich erweiterbaren Gruppenchats.  Während man den ganzen Müll bei Facebook wenigstens noch halbwegs filtern oder ignorieren kann, hieß es nun bald hier, bald dort: „Warum reagierst Du nicht, Du warst doch online…“ Ja, von nun an musste ich aber gaaaaanz genau aufpassen, wann ich gelangweilt an der Supermarktkasse auf dem Display rumdrückte oder Nachts mal kurz nachsah, warum zum Teufel das gottverdammte Telefon schon wieder blinkt. „Ach Du bist noch wach“, entgegnet es einem da in einem Pop-Up-Fenster um 4 Uhr morgens, wenn man sich rotzevoll zur verdienten After-Absturz-Session in die Federn knallen will.

Richtig lustig wird es allerdings dann, wenn einen nicht nur die eigenen Freunde von morgens bis abends mit behämmertem Kack einlullen, sondern sich dazu auch noch Menschen vornehmlich weiblichen Geschlechts gesellen, die anscheinend von althergebrachtem zwischenmenschlichem Umgang so rein gar nichts mehr halten. Alles wird da in die Tasten geklimpert. Die einen texten einen von morgens bis abends voll und wissen anscheinend selbst nicht warum, eine andere schreibt des Nachts ihre Vorstellungen von einem ersten Treffen in der Art, dass es jedem Pornoregisseur die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Hinzu kommt, dass ich anscheinend den Ruf eines menschlichen Kummerkastens habe, denn anders lässt es sich nicht erklären, warum ständig Themen aufkommen, für die früher mal das Dr.- Sommer-Team in der BRAVO zuständig war. Von harmlosen Beziehungsproblemen über Liebeskummer bis hin zu Geschichten, dank denen ich die betreffende Person unweigerlich an die örtliche Polizei bzw. Frauenberatungsstelle weiterverwiesen habe.

Was zum Teufel geht mich das denn bitte alles an? Und das auch noch von Menschen, die mich teilweise noch nie im Leben gesehen oder gehört haben? Gibt es eigentlich überhaupt noch irgendwelche Grenzen, wenn am anderen Ende eine scheinbar vertrauenswürdige, aber in Wirklichkeit dennoch anonyme Person sitzt? Und warum habe ich das alles mitgemacht? Weil es sich toll anfühlt, so vertrauenswürdig zu sein? Warum hab ich selbst ebenfalls mein Innerstes nach außen gekrempelt, nicht wissend, wer da eigentlich zusieht? Ist es so einfach, den WhatsApp-Gesprächspartner gerade WEIL man ihn nicht wirklich kennt, so sehr zu idealisieren, dass alle real-existierenden Menschen um einen herum dagegen abstinken? Ist es wirklich so wichtig, für jeden Haufen, den man gerade irgendwo hinsetzt, Kommentare von Fremden einzuheimsen?

Ich habe mir nun nacheinander einen Urlaub durch Facebook und einen durch WhatsApp versaut. Was wirklich um einen herum passiert, ist eigentlich scheißegal, Hauptsache es ergibt Motive, die man irgendwelchen unbeteiligten Personen zuschicken kann, um sich abfeiern zu lassen. Und noch während ich mich hier darüber aufrege, greife ich schon wieder zum Handy, um irgendwelche Posts zu lobpreisen und alle Menschen, mit denen ich einzeln und persönlich sprechen könnte, auf einen Streich abzufertigen.  Ein wenig wird mir das wohl erhalten bleiben, doch nach diesem Sommer überlege ich mir sehr genau, wie weit ich mich auf sowas einlasse. Denn selbst mein Facebook-Experiment, jeden Tag mehrmals die Konsistenz und Farbe meines Stuhlganges zu posten, brachte mir überwiegend „Gefällt mir’s“ und große Zustimmung ein. Die Menschen wollen halt überall dabei sein, alles gut finden und alles gut finden lassen.  Ich kann mich da selbst nicht ausschließen und habe selbst der ein oder anderen Bekanntschaft ein Schauspiel in mehreren Akten geliefert. Aber wenigstens denke ich ab und zu darüber nach…

Grüne Linksdemokratischchristlichepiratenspdunion – die deutschen Parteien im Wahljahr 2012

Was ist los, in der deutschen Parteienlandschaft? Man gewinnt den Eindruck, die spielen bei jeder Wahl die Reise nach Jerusalem. Die FDP ist dabei jedes Mal zu langsam und muss ihren Stuhl an diese neue Jugendbewegung abtreten. Piraten nennen die sich. Dabei können die noch nichtmal fechten. Und sehr trinkfest sehen die meisten von denen auch nicht aus. Dafür mischen sie aber die grauen Männer von den anderen Lobbyisten-Fanclubs ganz schön durcheinander. Sie fordern Mitbestimmung und Transparenz. Und das in der Politik. Wo gibt’s denn so was? Obwohl es natürlich ein sehr interessanter Gedanke wäre. Wie hätte wohl die Entstehung des FDPschen Hotelsteuersenkungsmaleurs ausgesehen, wenn man dabei hätte zusehen und mitbestimmen können? Wer bislang in der Politik mitbestimmen wollte, der brauchte, anders als von den Piraten gefordert, keinen Internetanschluss, sondern einfach nur ziemlich viel Geld. Und jetzt? Soll jetzt jeder prekäre Pöbel von der Playstation aus unsere Politik bestimmen? Pfui Spinne, wo soll das enden? Na wo, das geben die Piraten ja offen zu: Hartz 4 für alle und daraus resultierend freie Berufswahl für alle. Endlich dürfen auch Manager und Akedemiker mal Feuerwehrauto fahren, endlich dürfen Metzger und Gebäudereiniger Herzoperationen durchführen. Jedenfalls ist das das Programm der Piraten, wie es die meisten alteingesessenen Politiker bislang in ihren schlaflosen Nächten interpretieren.

Stattdessen sollten sie lieber den frischen Wind genießen, der da durch die staubigen Amtszimmer weht und sich eine Scheibe abschneiden, bei dieser jungen, unverbrauchten Partei. Obwohl, das tun sie ja bereits. Gerade mal zwei Landtagtswahlen mit guten Ergebnissen, und schon tun alle übrigen Parteien genau das, was sie den Piraten immer vorwerfen: Raubkopieren.

Die SPD hat für den Wahlkampf in NRW einfach mal das komplette Layout der Piraten-Plakate übernommen. Und ich dachte, die geben sich damit zufrieden, dass sie der darbenden FDP den Koaltionspartner geklaut haben. Die Grünen wiederum möchten nun auf einmal auch Hartz… ach nee, “Bedingungsloses Grundeinkommen” für alle. Auch eine Idee der Piraten. Nein, eigentlich ja eine Idee der FDP. Da hieß sie “Bürgergeld”. Obwohl, falsch, denn für das Bürgergeld müsste man ja trotzdem klotzen gehen und idealerweise zur “bildungsfernen” Schicht gehören. Wobei, bildungsfern, das sind ja nach Einführung der Studiengebühren quasi alle, die keine reichen Eltern haben.

Wahlplakate der NRW-Piraten
Wahlplakate der NRWSPD

Jedenfalls klaut hier einer vom anderen, dass es kracht. Die SPD hat einen Vorsitzenden, der vom Umfang her immer mehr an Helmut Kohl erinnert, die CDU diskutiert über Mindestlöhne und schafft die Atomkraft ab, in der Linkspartei sitzen fröhliche Antisemiten, ein grüner Ministerpräsident lässt Stuttgart 21 fertig bauen, also wenn demnächst die NPD mit einem türkischen Spitzankandidaten antritt, wundert mich das auch nicht mehr.

Einzig die FDP bleibt ihrer Linie treu. Wer nichts mehr zu verlieren hat, der kann halt ungeniert die eigenen Vorlieben ausleben. Und so werden irgendwelchen stinkreichen Geldsäcken, die mit griechischen Staatsanleihen rumgezockt haben, fröhlich die Milliarden in den Arsch geblasen, während 11.000 alleinerziehende Mütter dank eines unfähigen, geldgeilen Kleinkapitalisten Namens A. Schlecker (ich liebe diese Abkürzung) auf der Straße stehen und nach einer “Anschlussverwendung” suchen dürfen.

Also sage ich allen Nichtwählern: Geht wählen, Eure Stimme zählt. Ihr allein könnt dabei helfen, dass sämtliche Parteien in heller Panik ihre Prinzipen und Programme über Bord werfen und in blindem Aktionismus um Eure Gunst buhlen.

Digitales Fernsehen: gut, Internet: böse! – Warum darf man aufzeichnen aber nicht runterladen?

Angenommen, jemand geht tatsächlich hin und läd sich in diesem großen, unheimlichen Internet einige Folgen seiner Lieblingsserie herunter und speichert diese auf seiner Festplatte: HALT! STOP! ILLEGAL!!!
Angenommen, jemand zeichnet die gleichen Folgen der gleichen Serie aus dem laufenden Fernsehprogramm auf und speichert diese auf seiner Festplatte: kein Problem.

Da drängt sich jedem halbwegs intelligenten Menschen doch eine Frage auf: Wo zur Hölle ist im Endergebnis der Unterschied, der dazu führt, dass eine, laut unglaublich schlecht inszenierten Einspielfilmchen, zu bis zu fünf Jahren lange Gefängnisstrafe drohen kann, das andere jedoch völlig legitim ist? Man hat die gleichen Inhalte im gleichen Umfang auf dem gleichen Speichermedium. Für umsonst. Oder wurde Onkel Horst damals mit bis zu fünf Jahren Haft bedroht, wenn er “Die Schwarzwaldklinik” oder “Der Bergdoktor” auf VHS-Kassetten aufgenommen hatte? Wo ist der Unterschied, ob ich etwas aufzeichne oder einfach von einer anderen Quelle abspeichere?
Klar, werden viele sagen, die wollen Ihre DVDs verkaufen. Aber das gab es doch damals auch schon: “Scharzwaldklinik” auf Kaufkassette, damit konnte man Omma und Oppa doch immer glatt ne Freude machen. Und das obwohl sie auch damals schon die Möglichkeit hatten, das ganze gratis aufzuzeichnen. Ist speichern auf Magnetbändern legitimer als das Speichern auf Festplatten? Dann müssten ja auch Festplattenrekorder verboten werden. Liegt es daran, dass man Dateien nicht in echtzeit, also in gesamter Spieldauer des jeweiligen Mediums speichern muss, sondern alles viel schneller geht und damit auch die Menge zunimmt? Ich sehe einfach keinen Unterschied. Das in Windows 7 eingebaute Mediacenter erlaubt es, quasi das komplette Fernsehgeschehen eines Tages auf seiner Festplatte zu verewigen. Tut man dies aber in dem man die gleichen Inhalte als Dateipaket von irgend einem Sharing-Portal herunterläd, ist das illegal.
Ein wenig verstehe ich die Aufregung ja noch, wenn man komplette DVDs runterläd. So mit Menü und allem Pi-Pa-Po. Da haben sich die Produzenten ja voll viel Mühe mit gegeben und so. Was man aber im Internet herunterläd, ist nur eine Datei. Keine Verpackung, kein Booklet, keine blöden Werbeprospekte. Wie viel würde eine DVD also im Laden noch kosten, wenn man sie komplett ohne alles in die Hand gedrückt bekäme? Was, wenn man selbst darauf verzichten könnte, und sich lediglich die auf der DVD gespeicherten Daten abholen würde? Der Preis wäre marginal und mit Sicherheit weit unter dem, was heutzutage Anbieter wie Maxdome für eine lumpige Folge irgend einer Serie verlangt.

Um es nochmal mit Onkel Horsts Videokassetten zu beschreiben: Hätte er dafür bezahlt, wenn er den Inhalt der Videokassette auch ohne die Kassette hätte gratis bekommen können?

Also halten wir fest: Ladenketten, die Parolen wie “Ich bin doch nicht blöd” und “Geiz ist geil” unters Volk jubeln und das Internet auf recht antiquierte Weise zur Anpreisung ihrer analogen Datenträger nutzen, beklagen sich anschließend darüber, dass die Leute online alles an sich raffen, was die Leitung hergibt. Gleichzeitig wollen Rechteverwerter, deren werbefinanzierte Inhalte man gratis im Fernsehen anschaut und theoretisch auch problemlos und legal dort aufzeichnen könnte, einem an denn Karren fahren, wenn man den gleichen Inhalt von einer anderen Quelle abspeichert.

Kiezdeutsch – Dialekt oder Zumutung?

“Kietzdeutsch” nennt sich das also, wenn Jugendliche reden, als hätten sie eine Socke im Mund. Ein eigenständiger Dialekt soll das sein?
Nun, Dialekte sind meist alteingesessene Abwandlungen einer Sprache, die regional begrenzt gesprochen werden. „Kiezdeutsch“ ignoriert die jeweiligen regionalen Dialekte jedoch und bedient sich stattdessen des gebrochenen Deutsch, welches anfangs bevorzugt von Migranten gesprochen wurde, weil die es einfach noch nicht besser konnten. Doch mittlerweile ist es “in”, sich diesem Slang, der, bevor er von zwangstoleranten Sprachwissenschaftlern „Kietzdeutsch“ getauft wurde, von den jeweiligen Nutzern selbst als “Kanak-Sprache” bezeichnet wurde, zu bedienen. Da es dabei bestimmte Regeln zu geben scheint, wie man die deutsche Sprache am besten zu einem genuschelten Brei aus undeklinierten Wörtern verramscht, mussten eben jene bereits erwähnten Sprachwissenschaftler dem ganzen nun zum Ruf einer legalen, eigenständigen Sprache verhelfen.
“Isch geh Kino” lauten da die Sätze, meist ergänzt durch “Alta”, ein Wort, dass mittlerweile seinen Genus verloren zu haben scheint denn, so ekelerregend es auch mit anzuschauen ist, reden sich mittlerweile schon Mädchen gegenseitig mit “Alta” an. Dialoge, die man in der Bahn aufschnappt lauten wie folgt: “Gehse noch Training?” “Ja klar! Bald Kampf!” Das, verehrte Sprachwissenschaftler, ist kein Dialekt, sondern Ausdruck von mangelnder Schulbildung und purer pubertärer Maulfaulheit. Auch wenn Ihr in dieser verstümmelten Sprache eine intelligente, weil kürzere und einfachere Abwandlung von der furchtbar komplizierten deutschen Sprache vermutet, so ist dieses Kauderwelsch nicht dadurch entstanden, dass jemand die Kommunikationswege möglichst intelligent verkürzen wollte, sondern dadurch, dass bestimmte Menschen so viel wie möglich weglassen, vor allem dann, wenn sie nicht wissen, ob es “der”, “die” oder “das” heißt, oder in welcher Reihenfolge man Subjekt, Prädikat und Objekt setzen muss, um sich verständlich auszudrücken. Ich kann an “Alta, der Mischa, voll der Hurensohn, isch hasse den über” jedenfalls keine Optimierung der Sprache erkennen. Es widert mich eher an, dass hier eine Sprache legitimiert werden soll, in der, genau wie im dazugehörigen Milieu, Homosexuelle, Juden und Behinderte dafür herhalten müssen, andere zu beleidigen. “Schwul” ist in diesem “Dialekt” ein Synonym für “Scheiße”. Die Homophobie, die auch im deutschen Proll-Hip-Hop stark vertreten ist und von männlichen Jugendlichen aus entsprechendem Umfeld ausgelebt wird, ist hier direkt in die Sprache integriert. “Behinderter” ist ebenfalls ein gerne genutztes Schimpfwort, es zeigt, dass körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen hier als minderwertig wahrgenommen werden. “Alta, bisse behindat”, schallt es oft durch den Bus. Behindert bedeutet also: Doof! Wenn Jugendliche, vornehmlich mit islamischem Hintergrund, sich gegenseitig als “Jude” beschimpfen, dann ist das gerade in diesem Land doch eher erschreckend. “Hure” und “Hurensohn” gehören sowieso irgendwie in jeden Satz, auch wenn dabei manchmal rhetorische Volltreffer wie “Alta, Deine Mutter is voll der Hurensohn” herauskommen.
Ich bin nicht für irgendwelche nationalistisch angehauchten Sprachbereinigungsversuche. Aber muss man eine offensichtliche Fehlentwicklung, wenn man ihr schon nicht entgegenarbeitet, auch noch zu einer eigenen Wissenschaft erheben? Bedeutet Toleranz, alles Schlechte einfach hinzunehmen und ins Schöne zu verklären? Ich denke nicht.  Alta, isch schwör auf alles!

Germanys next Bundespräsident

So, nun ist er weg und das so genannte höchte politische Amt in unserem schönen Land ist vakant. Nun muss also schnell ein Neuer (oder eine Neue?) her. Doch wer hätte die Qualität, diesen herben Verlust auszubügeln? Diese große Lücke, besonders in der Berichterstattung, zu schließen?

Anders als in anderen Ländern ist das in Deutschland ja sowieso ein wenig merkwürdig, mit dem Präsidentenamt. Präsident, das klingt immer so staatstragend, so allmächtig. Aber hierzulande handelt es sich bei näherem Hinsehen ja doch eher um eine Art Gegengewicht zu den letzten noch bestehenden und absolut überflüssigen Monarchien in Europa. Nur halt mit viel weniger Glamour, weshalb es wohl dem ein oder anderen Bundespräsidenten schwer fällt, die Finger von ganz besonderen Urlaubsangeboten, Krediten oder sonstigen Vergünstigungen zu lassen. Irgendwas muss man ja davon haben, dass man in einem Schloss wohnen darf, 200.000 Euro im Jahr abräumt und eigentlich so gut wie nichts zu tun hat, außer sich möglichst aus allem raus zu halten. Neutral soll er nämlich sein, der Herr Präsident. Und repräsentieren soll er. Als „neutrale Gewalt“ wird er gemeinhin bezeichnet. Die Frage darf erlaubt sein, was eine neutrale Gewalt für einen Sinn hat, denn eigentlich liegt es in der Natur einer Gewalt sich gegen etwas zu richten oder zumindest Druck in irgend eine Richtung auszuüben. Im Falle des Bundespräsidenten also bald hier und bald dort abwechselnd die Regierung oder die Opposition zu gängeln, wie es z.B. Horst Köhler so gut verstand, bevor er das Amt aus akutem Desintersse niederlegte, so als handele es sich um eine ehrenamtliche Vereinstätigkeit.

Nun also der Nächste. In Deutschland kommen und gehen die Bundespräsidenten mittlerweile schneller, als die „Gewinner“ diverser Casting-Shows. Warum also macht man hier nicht gleich ein quotenträchtiges Spektakel daraus, einen neuen Präsidenten zu casten?

Viele altgediente oder vorerst gescheiterte Politiker stünden da, ähnlich wie die C-Prominez im Dschungelcamp, sofort Gewehr bei Fuß, um sich ein Comeback zu erkämpfen, koste es was es wolle, auch wenn es der letzte Rest an Menschenwürde ist.  Die Jury könnte dabei bestehen aus den beiden Bundes-Helmuts, Schmidt und Kohl, denn der eine weiß eh immer alles besser und der andere weiß ganz genau, wie man richtig große Schweinereinen jahrzehntelang vor der Öffentlichkeit fernhält und allem unmoralischen Verhalten zum Trotz als „Einheitskanzler“ in die Geschichte eingeht. Daneben braucht es aus rein statistischen Gründen noch eine Frau. Da würde ich mir die Rita Süßmuth gut vorstellen können, die mochte ich irgendwie immer ganz gerne und sie würde der selbstverliebten Altherrenriege etwas warmes, mütterliches geben.

So könnten dann die zahlreichen Kandidaten zu verschiedenen Prüfungen und Aufgaben antreten, wie zum Beispiel eine Parade abnehmen, aus der Staatskarosse winken, die richtige Ansprache für ausländische Gäste finden müssen und sich verschiedener Tests unterziehen, bei denen ihnen unterschwellig Kredite, Hotelzimmer oder Flug-Uprades untergeschoben werden sollen. Auch der Umgang mit der Presse sollte geübt werden, denn wenn man schon bei der Bild-Redaktion anruft, dann sollte dabei mehr herausspringen, als ein kindlich gekränktes Staatsoberhaupt, dass noch dazu blöd genug ist, seine Tiraden auf einer Mailbox zu verewigen. Kurz, knapp und ohne Zeugen sollte der Kandidat einem Herrn Diekmann hier verbal auf den Redaktionstisch kacken, dass es qualmt. Und zwar so, dass der sich anschließend zweimal überlegt, ob er das an die Öffentlichkeit trägt. Ein Bundespräsident muss die Macht, die er hat auch in die Waagschale werfen. Er sollte bei jeder sich bietenden Gelegenheit damit drohen, postwendend den Bundestag aufzulösen, sobald ihm irgendetwas nicht in den Kram passt. Da werden sich die Herren Journalisten schon gut überlegen, ob ein paar deftige Beleidigungen am Telefon es wert sind, dass jede Woche Neuwahlen stattfinden.

Wie auch immer, ich bin überzeugt, ein solches Fernsehformat hätte das Zeug zu einem Quotenkracher. Man stelle sich allein die Blind-Auditions vor, bei denen die Kandidaten eine von ihnen abgewendete Jury allein durch eine krachende Brandrede von ihrem Können überzeugen müssen, ohne dabei gesehen zu werden.

Spätestens hier wird ein Pilipp Rösler sofort des Feldes verwiesen, während sich bei Siegmar Gabriel  alle drei Stühle zugleich rumdrehen, anschließend aber alle Jurymitglieder bemüht sind, ihre optische Abscheu nicht kamerawirksam zum Ausdruck zu bringen.

Ja das wird spannend. Und Herr Ex-Dr. Von und Zu vorerst gescheitert wird Jahr um Jahr antreten, Jahr um Jahr rausfliegen, um mit neuer Frisur und anderer Brille Jahr um Jahr wieder aufzukreuzen. Gutti, Du wirst der Menderes des Polit-Castings.

Rentner holt zur Gesellschaftskritik aus

Ein Bilderbuch-Rentner, wie man ihn sich besser kaum ausmalen könnte, wird von einer jungen, noch unerfahrenen Reporterin eines kleinen TV-Senders zum Thema Valentinstag befragt. Zumindest ist das ihre Intention. Ganz harmlos und unschuldig beginnt sie mit der Standartfrage, ob der Mann denn auch eine „Liebste“ zu hause hat. Doch damit ist bereits eine Grenze überschritten, die der Mann schlichtweg als „Unterstellung“ bezeichnet. Und wer die Frage nach einer Ehefrau schon als manipulative Unterstellung entlarvt, der hat auch sonst zur heutigen Gesellschaft, dem Ungang mit Feiertagen und den eventuellen Neurosen einer jungen Reporterin noch eine ganze Menge zu sagen, denn scheinbar ist er trotz gegenteiliger Äußerungen auch irgendwie froh, angesprochen worden zu sein. Und da wohl auch er nicht immer nur Falschparker anzeigen möchte, nutzt er die Gunst der Stunde.

Viel Spaß damit!

Frühstück 2.0

Sonntagmorgen: Ich sitze mit meiner Freundin auf dem Sofa, eine Casting-Show läuft im Fernsehen, sie hat ihr Smartphone gezückt, ich beuge mich über mein Netbook. Doch, wir reden noch miteinander. Trotz dreifacher medialer Ablenkung fühlt sich dieser Sonntagmorgen nicht anders an, als damals, bei meinen Eltern, wo das Radio düdelte, mein Vater hinter dem Wirtschaftsteil der hiesigen Tageszeitung verschwand, meine Mutter abwechselnd Sonderangote und Todesanzeigen sondierte und ich im Sportteil immer wieder die aktuellen Bundesligaberichte studierte.
Heute sind es eben Smartphones und Computer, statt riesiger Papierberge. Der erste Vorteil: wir sehen uns wenigstens noch. Der zweite: bei dem obligatorischen Satz: “Schatz schau mal was hier steht!”, müssen wir nicht umständlich an der Sitzordnung herumrücken und uns gegenseitig die besagten Papierstellen zuschieben, nein, wir schicken uns einen Link und der andere kann den entsprechenden Artikel parallel auf seinem Gerät lesen, es entsteht so eine sehr viel bessere Diskussionskultur als bei der umständlicher Papierschieberei von damals.
Weitere Vorteile: während meine Eltern noch auf den Inhalt einer einzigen Zeitung angewiesen waren, was wohl auch das ungemeine Interesse an Todesanzeigen, mangels anderer für meine Mutter interessanter Themen erklärt, verfügen wir heute über eine Fülle von Informationen, die beinahe jede Zeitung, Zeitschrift oder Fachmagazin beinhaltet, welche irgendwo auf der Welt veröffentlicht werden. Dazu unzählige Blogs, Fanseiten, etc. Information-Overload? Fehlanzeige. Der geneigte Leser hat seine festen Lesegewohnheiten und blickt eher selten darüber hinaus. Dennoch: wenn die Lieblingszeitung nichts morgenfüllendes zu berichten hat, hat man eine bestimmte Anzahl von Alternativen im Kopf, bzw. in der Lesezeichenleiste, in denen man immer etwas interessantes findet. Es sitzt also niemand ratlos vor dem Netzangebot und muss sich stundenlang entscheiden, welche der Milliarden von Webseiten er zuerst öffnen soll. Es ist wie mit der Zeitung am Büdchen: man greift zuerst zu Altbekanntem. Anders als am Büdchen ist die Entscheidung aber nicht bindend. Entpuppt sich das Altbekannte in diesem Fall als uninteressant, nimmt man das nächstaltbekannte. So als würde man vor dem Büdchen stehen bleiben und eine Zeitung nach der anderen durchforsten, ohne auch nur eine davon zu bezahlen.
So findet man in einem schier endlosen Informationsangebot doch immer relativ schnell etwas, das einen den Morgen über beschäftigt. Das Gefühl, für eine langweilige Zeitung Geld bezahlt zu haben, der Gedanke, “hätte ich lieber doch ausnahmsweise die andere Zeitung gekauft”, setllen sich nicht ein. Zudem sitzt neben mir eine Frau, meine Freundin, die ganz andere Prioritäten bei der Informationnsuche setzt. So kann man auch als Kerl schnell und ohne aufzufliegen, auch mal einen Blick über den Bundesliga- und Politik-Tellerrand werfen, hinein in die glamoröse Welt der Promi-News.
So weit so gut. Weitere Vorteile heutiger elektronischer Medien auch am Frühstückstisch sind: Man hat immer eine Hand zum Essen frei. (Schonmal versucht mit einer Hand die FAZ umzublättern?) Niemand reißt einem die Seite aus der Hand, weil auf der Rückseite ein Sonderangebot prangt. (Zum Glück gibt es bis heute nur einseitig funktionierende Displays).
Der Frühstückstisch wird nicht zugepflastert mit Papiermüll. UND: mit der ein oder anderen Soft- und Hardware heute schon möglich: man kann mit dem gleichen Medium, mit dem man gerade Zeitung liest, neuen Kaffee kochen, den Toaster bedienen und die Garzeit der Eier justieren. Versucht das mal mit der Rheinischen Post! Einen einzigen Nachteil gibt es jedoch tatsächlich: Wenn man das Internet dann iregndwann mal ausgelesen hat, hat man hintereher keine Unterlage zum Kartoffelschälen.

Von Märchenmöpsen und Teekesseln

Möpse. Ich mag keine Möpse. Jedenfalls nicht die in Form von Hunden. Ich hasse diese fiesen, plattgeknautschten Nasen, die aussehen, als wäre ein Dackel mit 50 Sachen gegen eine Betonmauer gewemmst. Und diese hässlichen, viel zu weit auseinander stehenden Glupschaugen. Nein, dem Mops an sich kann ich nichts abgewinnen. Daher schreibe ich normalerweise auch nicht über Möpse. Jedenfalls nicht über die in Form von Hunden. Nur heute, wo mir einer über den Weg gerannt ist, habe ich überlegt, wie es wäre, wenn ich einen Text schreibe an dessen Anfang ein hässlicher, doofer Dickmops von einem ebenso hässlichen, heranbrausenden Mittelklassewagen zur Stecke gebracht wird.

Aber da ich viele komische Frauen kenne, die auf Möpse stehen, also auf die in Form von Hunden, lasse ich das lieber bleiben. Die würde ich ja damit alle vergraulen. Also ziehe ich sie lieber auf meine Seite, in dem ich in diesem Text einen Mops vorkommen lasse, der fröhlich seiner Wege geht. Im Schlepptau sein Herrchen, ein etwa fünfzig Jahre alter Mann, der nicht nur in Sachen Hunde, sondern auch bekleidungstechnisch einen sehr schlechten Geschmack zu haben schien. Über Geschmack lässt sich ja angeblich nicht streiten, aber in so einem Fall lasse ich wirklich nicht mit mir reden. Ein Polohemd in einer undefinierbaren Farbe irgendwo zwischen Gelb, Beige und Hornhautumbra, dazu eine kackbraune Kordhose, himmelblaue Socken und die unverzichtbaren braunen Ledersandalen, die anscheinend alle Rentner ab einem gewissen Alter vom Staat zur Verfügung gestellt bekommen. An der Leine führte er den schon beiläufig erwähnten Mops durch den Park. Anscheinend stand der Mann auf schäbige Klamotten und auf Möpse. Jedenfalls die in Form von Hunden. Alte Männer und Möpse, das passt ja eigentlich immer. Die einen führen sie spazieren, die anderen starren sie einfach nur an und versuchen dabei die Erektion, die sie in diesem Alter ansonsten eher seltener zustande bringen, zu verbergen. Zu diesem Zweck tragen sie diese ausgebeulten Kordhosen. Im vorangegangenen Satz ging es übrigens um zwei verschiedene Gattungen von Möpsen, wie dem aufmerksamen Leser sicherlich schon aufgefallen ist. Der Hose nach zu Urteilen gehörte also auch der alte Mann in dem Park zu den Zeitgenossen, die an Möpsen interessiert sind. Also nicht nur an denen in Form von Hunden. Wobei das natürlich auch ein sprachtechnisches Problem ist. Warum muss das Wort Mops zugleich für etwas sehr hässliches als auch für etwas sehr schönes benutzt werden? Somit zählt der Begriff Mops zu den Teekesselchen, das sind Wörter die zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen haben können. So wie das Wort Bank. Obwohl, da gibt es ja mehr als zwei. Fußbank, Kirchenbank, Parkbank, Blutbank und Samenbank. Das war jetzt eher ein blödes Beispiel. Nehmen wir ein anderes: Pfanne. In der einen Pfanne macht man sein Essen, in der anderen sein Geschäft. Obwohl das ja irgendwie auch zusammenhängt. Eklig. Weitere Teekesselchen wären: Nageln, blasen, kloppen oder dremeln. Gehört das Wort Teekesselchen eigentlich selbst auch zu den Teekesselchen? Was hat überhaupt ein Zubereitungsbehälter für ein Heißgetränk mit der Doppeldeutigkeit von Wörtern zu tun? Und warum ist diese Doppeldeutigkeit nicht gleichzusetzen mit Zweideutigkeit, die ja wiederum meistens auf Begriffe wie nageln, blasen, kloppen oder dremeln abzielt?

Was auch immer, nach dem ganzen Gerede hab ich Lust auf Tee und auf Möpse, allerdings nicht die in Form von Hunden. Letzteres kann ich für heute wohl abhaken (nicht zu verwechseln mit „abhacken“!!!) aber den Tee den gönne ich mir noch. War ja auch eine lange Fahrt mit dem Rad heute. Und da haben wir das nächste Teekesselchen: Rad. Drahtesel oder Autozubehör. Toll oder? Da sieht man doch mal, welche Prioritäten die Erfinder der deutschen Sprache gesetzt haben. Für eine bahnbrechende Erfindung wie das Rad gibt es nicht mal einen einzigen eigenständigen Begriff. Aber für Dinge wie Saufen, Pinkeln, Kacken oder Geschlechtsverkehr gibt es über hundert verschiedene Bezeichnungen. Traurig eigentlich. Aber nicht so traurig wie die Tatsache, dass die hässlichsten Hunde nach den schönsten Körperteilen benannt werden. Dagegen sollte man vorgehen. Kann man die Viecher nicht umbenennen? Klops wäre viel passender. Oder Klumpen. Ja, das wäre es. „Schau mal Mami, der süße Klumpenhund!“ Oder eine Mischform aus beidem. „Klumps“. Das würde es treffen. Wenn ich so einer wider jede Natur gezüchteten Kreatur in ihr verbeultes Antlitz schaue, dann fällt mir doch genau so ein Wort ein, wie Klumps.

Dabei stellt sich ja eigentlich auch die Frage, wie es überhaupt zu einem Mops kommen konnte. War das ein Zuchtunfall? Oder hat etwas jemand tatsächlich absichtlich auf dieses Ergebnis hin gearbeitet? Hätte Gott uns Menschen auch die Herrschaft über die Erde und die darauf kreuchenden Kreaturen abgetreten, wenn er gewusst hätte, dass wir ein so stolzes, ebenso kraft- wie würdevolles Geschöpf wie den Wolf zu etwas derartigem erniedrigen würden, wie einen verklumpten Mops oder einen warmen Pudel? Wenigstens in den klassischen Märchen hat man sich von derlei abscheulichen Modetrends abgewandt und den Wolf in seiner ursprünglichen Gestalt belassen. Man stelle sich mal vor, es wäre anders gekommen und das Rotkäppchen trifft auf den großen bösen Mops. Womit hätte der ihr denn drohen sollen? Ihr Bein zu rammeln? Danach verschlägt es ihn dann in Großmutters Bett und das Rotkäppchen fragt: „Großmutter, was hast Du so viele Falten?“ Nein so funktioniert das nicht. Genauso wenig wie „Der Mops und die sieben Geißlein“ Was könnte denn ein Mops mit einem Geißlein anstellen? Er könnte versuchen, es anstelle eines menschlichen Beines zu rammeln, aber mehr fällt mir dazu beim besten willen nicht ein. Man sieht also, der Mops ist in der Rolle des Märchenmops völlig überfordert.

Und wie dämlich sähe erst ein Mops im Schafspelz aus?

Fazit: der Mops an sich, also in Form eines Hundes, ist zu nichts so wirklich zu gebrauchen. Außer als Spielkamerad für ältere Herren oder kleine Pipimädchen taugt er nicht viel, höchstens vielleicht noch als Türstopper oder Nackenrolle. Aber auch da gibt es schönere Modelle.

Nun muss ich doch zugeben, dass ich mit diesem Text ganz schön auf den Mops gekommen bin. Wobei „kommen“ eigentlich ja auch ein Teekesselchen ist, was jetzt aber ganz und gar nicht heißen soll, dass ich den Möpsen in irgend einer Form einen sexuellen Reiz abgewinnen könnte. Jedenfalls nicht denen in Form von Hunden. Schon komisch, ich hätte nie gedacht, dass ich mal ganze zwei Seiten über diese doofen Viecher voll schreiben würde. Haben die das überhaupt verdient? Vielleicht schon. Hat denn ein Wesen, dass Zeit seines Lebens mit solcher Hässlichkeit gestraft ist nicht auch ein wenig Aufmerksamkeit verdient?

Wenden wir uns also wieder dem Anfangsmops zu, der da friedlich mit seinem schlecht gekleideten Herrchen durch den Park trottete. Ich möchte diesem Mops danken, für die unterhaltsamen Gedanken, die mir nach unserer Begegnung die Weiterfahrt ein wenig kurzweiliger erscheinen ließen. Vielleicht ist ja genau das die Bestimmung von solch unansehnlichen Kreaturen, wie dem Mops. Sie bringen uns zum Nachdenken. Und es gelingt ihnen, in uns selbst das Schöne zu erkennen. Denn selbst der hässlichste Mensch fühlt sich nach einer Begegnung mit ihnen wohl und ist dankbar dafür, dass er nicht als Mops geboren wurde. So lasset uns danken dem Mops, der die Bürde der Hässlichkeit für uns erträgt, damit wir in Demut und Dankbarkeit unser eigenes Antlitz auf ewig zu schätzen wissen.

Probleme lösen mit Alkohol

Und schon wieder haben die Deutschen Grund zum Jammern und zum Klagen: Da gehen die deutschen Jugendlichen in Zeiten wie diesen mit gutem Beispiel voran und kurbeln ordentlich den Konsum, zumindest in der Alkohol- und Tabakindustrie an, da stehen schon die selbst ernannten Sittenwächter auf der Matte und rufen: „J’accuse! Ich klage an!“

Anstatt froh zu sein, dass Kindergeld und Hartz IV der abgehängt-prekären Eltern nun umgehend wieder in die Wirtschaft gepumpt werden, wird der große Sittenverfall proklamiert. „Das hat es früher nicht gegeben!“, rufen empört diejenigen, die damals den Sonntagsfrühschoppen erfunden haben und anschließend granatenvoll mit der Isetta in die nächste Pinte geeiert sind. Der heutige Jugendliche hingegen liegt sonntags morgens brav im Koma und bekommt die Erbsensuppe intravenös, natürlich ohne Wursteinlage.

Wo die nun langsam ergrauenden 68er damals Straßenterror und Studentenrevolten verbreitet haben, wird heute still, friedlich und unpolitisch der Frust einfach mit Hochprozentigem weggespült. Steigende Umsätze in Flatratediskos und erhöhte Einnahmen bei der Alkoholsteuer sind die erfreulichen Begleiterscheinungen.

Auch für die demografische Entwicklung ist ein positiver Effekt zu verzeichnen. Wenn der gemeine Jugendliche nach acht Litern Alkopops noch einen hoch kriegt pimpert er alles, was ihm vor die Flinte kommt. Das ergibt eine deutliche Steigerung der Geburtenrate, die anschließenden Vaterschaftstests bei Olli Geißen oder Britt fördern zusätzlich die Unterhaltungsbranche.

Ansonsten torkeln heute die volltrunkene Jugendlichen nicht in der Gegend herum und ängstigen die Rechtschaffenden, so wie es bei älteren Semestern des öfteren zu beobachten ist. Nein, sie liegen einfach still und friedlich an irgend einer Straßenecke in ihrem Erbrochenem. Manch einer fällt nach 52 Tequila einfach tot um, um niemandem zur Last zu fallen. An solch ausgesuchter Höflichkeit ist ein Beispiel zu nehmen.

Da das heutige Leben so und so nur noch im Suff zu ertragen ist, machen gerade unsere jungen Menschen das beste daraus. Anstatt, wie ihre Eltern, jeden Abend vor einer Kiste Bier zu versauern und sich selbst zu bemitleiden, haben die Kids noch Ziele, die sie engagiert und motiviert verfolgen: Höher, schneller, hochprozentiger heißt es da. An jedem Wochenende ist ein weiterer Rekord zu knacken, dafür gilt es unter der Woche hart zu trainieren. Das ist doch allemal besser, als sich auf dem Schulhof anpöbeln und beklauen zu lassen.

Trinkhallen im ganzen Bundesgebiet erfreuen sich nun endlich auch vormittags wieder erhöhter Einnahmen. Und während die Eltern in emotionslosen Demonstrationsversuchen ihre verhassten, schlecht bezahlten Jobs zu retten versuchen, entwickelt sich unter ihrem Nachwuchs bereits am frühen Tag ein geselliges Beisammensein auf Spielplätzen, in Parks oder rund um irgend einen Autoscooter. Bei ein, zwei Flaschen Vodka werden dort die neuesten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen besprochen und die zu erreichenden Promillewerte für den Samstagabend abgeklärt.

So entsteht unter den neidischen Blicken der älteren Generationen eine neue, funktionierende, auf Alkoholkonsum gestützte Gesellschaftsordnung, die fernab von der zeitraubenden Talentvergeudung im Schulunterricht oder der lästigen Suche nach Ausbildungsplätzen beinahe alle Probleme zu lösen im Stande ist, die wir nicht in den Griff bekommen.

Zwegatismus

Opel bettelt um Hilfe, Banken gehen Pleite, die Wirtschaft bricht zusammen. Und wo bist Du???
Du lümmelst auch in dieser schweren Zeit weiterhin beim abgehalfterten Präkariat herum, hilfst irgendwelchen Vorstadtproleten dabei, ihre Katalogschulden zu tilgen, Ihre Flachbildschirme zu leasen und ihren Mietrückstand zu begleichen. Du begibst Dich weiterhin in die Niederungen des Kapitalismus, bettelst Verwandte und Bekannte Deiner Klienten um ein Almosen an, kriechst bei irgendwelchen Banken und Versandhäusern zu Kreuze, flehst um Kredite, um Verzicht auf ausstehende Ratenzahlungen, um am Ende doch nicht zu wissen, ob die Menschen, denen Du so selbstlos hilfst, es schaffen, in Zukunft besser mit ihrem Geld Haus zu halten.

Doch nun Peter, nun ist es soweit. Deine große Stunde könnte gekommen sein. Ich warte Woche für Woche auf die Sendung „Raus aus den Schulden Special: Peter Zwegat rettet Opel“. Und das wird nur der Anfang: Woche für Woche kommen neue Unternehmen und Kreditinstitute hinzu, bis am Ende der Staat selbst von Dir entschuldet und errettet wird.

Wenn Du wirklich so gut bist, dann lass die Menschen die Dich jetzt am meisten brauchen nicht im Stich. Du könntest alles erreichen, Du könntest der alleinige Begründer einer neuen Weltwirtschaftsordnung werden. Banken, Versicherungen, Autokonzerne und sogar die kleine Trinkhalle um die Ecke. Du wirst sie alle retten. Ich weiß es. Auch wenn Du in Deiner unendlichen Bescheidenheit bislang nur den Menschen geholfen hast, um die sich sonst niemand kümmert. Den Ärmsten der Armen, am Rande der Gesellschaft, die sich von zwielichtigen Geschäftspraktiken haben in die Verschuldung treiben lassen. Jetzt ist die Stunde, in der die ganze Welt Dich braucht.

Wer sonst verfügt über Dein Wissen und Deinen Sachverstand?

Auch wenn Du noch zweifelst, im Angesicht der riesigen Aufgaben, die dort auf Dich warten, am Ende wirst Du bei Arcandor, Operl und bei Märklin deinen dicken Edding schwingen, wirst dafür sorgen, dass von nun an vernünftig gewirtschaftet wird. Du, Peter Zwegat, wirst derjenige sein, dem die Kinder kommender Generationen einstmals in Dankbarkeit ergeben sein werden, wenn sie mit ihrer Märklin-Eisenbahn spielen können.

Du kannst alles erreichen, die Welt befreien, von Gier und Unvernunft, du kannst Finanzminister werden, ach was, Bundeskanzler, nein, -präsident. Was sag ich? König, Kaiser, ein neuer, unfehlbarer Herrscher, ein neues Gottesgnadentum der Finanzheilligkeit. Wirtschaft, Gesellschaft, ja sogar die Religion, alles wirst Du in Deinen Bann ziehen. Du bist der Erneuerer, der Einkaufs-Erlöser, der Markt-Messias, der Piepen-Papst.

Ja, Peter Zwegat, das alles mag jetzt verwirrend klingen, es mag Dich verunsichern, doch am Ende, das weiß ich, wirst Du Dich der Herausforderung stellen und eine Welt erschaffen, in der das Wort „Schulden“ nur noch in Geschichtsbüchern zu finden sein wird.

Peter, ich glaube an Dich!!! Es lebe der Zwegatismus!!!